Ziel erreicht: Stephies erstes Finish auf der Olympischen!

Unsere Stephie ist im Juli in der Hansestadt auf ihrer ersten olympischen Distanz gestartet. Trotz Radsturzes und langer Verletzungsphase im Jahr zuvor, konnte sich Stephie ihren Traum nun erfüllen. Auch Katha ist in Hamburg gestartet. Für sie war es nicht die erste Olympische, aber einer der erfolgreichsten Starts. Ergebnisse und Details hat Stephie in ihrem Bericht erfasst.

Sind das Emotionen, die diese Stadt und die jubelnden Zuschauer in einem hervorrufen…auch noch Tage nach dem Event bin ich geflasht, beeindruckt und grinse breit.

Aber fangen wir gaaanz am Anfang an. Anfang 2016 hatte ich mir zum Ziel gesteckt, in meinem damals 2.Triathlon-Jahr meine „erste“ Olympische Distanz in Hamburg zu machen. Doch 3 Wochen vor dem Hamburg Triathlon stürzte ich mit dem Rennrad – ausgekugelter und gebrochener Ellenbogen. Es folgten wochenlanger Gips, Sportpause, monatelange Physiotherapie und panische Angst, wieder zu stürzen. Mein Traum von Hamburg war damals in unerreichbare Ferne gerückt… So richtig in den Griff bekommen habe ich die Sturzpanik erst im Trainingslager im Frühjahr 2017 auf Fuerteventura. Mit jedem weiteren TTB-Rennrad-Training stieg meine Hoffnung, bis zum Sommer fit zu werden und mir den Traum meiner ersten olympischen Distanz in Hamburg dieses Jahr zu erfüllen! Gesagt, getan: Ende Mai ergatterte ich eines der begehrten Tickets. Und je näher der ersehnte Tag rückte, desto aufgeregter wurde ich.

Am Samstag, dem 15. Juli, einen Tag vor dem Wettkampf, war es dann so weit. Ich packte meine Siebensachen und war zur Mittagszeit in Hamburg. Zu der Zeit waren die Sprintdistanzen der Jedermann-Starter bereits allesamt beendet und mein TTB-Teamkollege Jan Eike Lessmann hat im Paratriathlon erfolgreich und überglücklich den 2.Platz belegt. Seine Erlebnisse und seinen Weg zum Vize-Meister lest ihr hier.

Um 14 Uhr traf ich mich mit meiner TTB-Teamkollegin Katha, die sich ebenso für die Olympische Distanz am Sonntag angemeldet hatte. Gemeinsam schauten wir uns die Sprintdistanz der Elite der Frauen und Männer an. Die Geschwindigkeit, die perfekten Wechsel, die jubelnden Zuschauer und der Zieleinlauf waren beeindruckend und ließen die Vorfreude auf unsere eigenen Starts nochmals steigen!

Im Anschluss folgten die letzten Vorbereitungen für meinen eigenen Start. Ich bin alle relevanten Strecken abgelaufen, habe mir den Schwimmstart und -ausstieg, die gigantisch große Wechselzone entlang der Binnenalster sowie meinen Wechselzonenblock „T“, den Radaufstieg und -abstieg, die Laufstrecke sowie zu guter Letzt den Zielbereich angeschaut und eingeprägt. Mit Pasta und Gemüse am frühen Abend habe ich meine Energiespeicher aufgefüllt. Und vorm Schlafengehen meine Nägel TTB-rot lackiert. Mental war ich also top vorbereitet.

Yeah – Katha wird 4. Frau auf der Olympischen!

Sonntag 7 Uhr klingelte mein Wecker: Ich schlug die Augen auf und grinste glücklich die Hotelzimmerdecke an. ENDLICH! Der lang ersehnte Tag war da! Ich dachte kurz an Katha, wie sie genau in diesem Moment bereits durch die Binnenalster schwamm und drückte ihr fest die Daumen! Dann ging es für mich los… locker warm gemacht, mit kurzen Sprints eingelaufen, 2 Bananen gegessen, Tasche und Rennrad geschnappt, ab zur Wettkampfstrecke. Während ich um 9 Uhr meine Wechselzone im Block T einrichtete, befand sich Katha bereits auf den letzten Kilometern der Laufstrecke. Um 9:13 Uhr überquerte sie mit einer Zeit von 2:23:32 die Ziellinie und wurde damit in der Olympischen Distanz die viertschnellste Frau – ein beeindruckendes Ergebnis!

Kurz vor 10 Uhr machte ich mich auf in die Warm-up-Zone. Meine Vorfreude, aber auch meine Aufregung, waren fast grenzenlos. Kurz drauf folgte um 10:10 Uhr der Start. Ein Mal die Binnenalster durchquert, unter der Kennedybrücke hindurch, um 2 Bojen, wieder zurück und unter der Jungfernstiegbrücke hindurch. Gerade unter den Brücken war es richtig dunkel und gruselig. Immer wieder hielt ich Ausschau nach den blauen Badekappen, die mit mir gestartet waren, um mich zu orientieren. Kurz vor‘m Schwimmausstieg hörte und sah ich seitlich unglaublich viele jubelnde Zuschauer und war überwältigt! 1500m Schwimmen geschafft! Mit Vollgas ging‘s hinaus aus dem Wasser in Richtung Wechselzone, ich zog mir den Neo bis zur Hüfte runter und überholte zahlreiche Mitstreiter. In der Wechselzone in meinem Block „T“ kam dann der riesengroße Schock: Mein Rad stand als „einziges“ im gesamten Block! Eine Millisekunde erstarrte ich. Doch schnell kämpfte ich den Schock weg und konzentrierte mich auf meinen Wechsel: Brille und Badekappe weg, Neo aus, Helm und Sonnenbrille auf, Rennrad geschnappt, losgedüst durch die hunderte Meter lange Wechselzone bis zur Radaufstieg-Linie. In der sich anschließenden ersten Radrunde von 13 Kilometern zermarterte ich mir meinen Kopf… Was war schief gelaufen? Wieso stand mein Rad als einziges im Block? War ich tatsächlich so langsam geschwommen? Die blauen Badekappen waren doch aber immer um mich herum oder hab ich mir das eingebildet? Oder stand ich gar im falschen Block?? Ich hatte doch aber in den letzten Tagen alles perfekt für meine erste OD studiert, angeschaut, zig Mal geprüft. Egal! Ich dachte mir: Dann geb ich nun doppelt Gas auf dem Rad und fahre die verlorene Zeit wieder rein! Also: Runder Tritt und Attacke!

Die Zeit auf dem Rad verging wie im Fluge und ich genoss jede weitere Sekunde. Anfang der dritten und letzten Runde kam leider der Regen und ich fuhr vorsichtiger. Auf Höhe des alten Elbtunnels überholte mich dann ein Männertrio. Die wollte ich nicht ziehen lassen und heftete mich (den vorgegebenen Abstand einhaltend) an ihre Fersen. Hinter dem Fischmarkt ging’s dann ein drittes Mal bergauf, ein drittes Mal Zähne zusammen beißen und den Hamburger Mini-Berg hoch bis zum Wendepunkt. Das Trio wollte ich als Möhre nutzen, die mich den Berg hochzieht. Doch daraus wurde nichts – vielmehr mutierte ich zur Möhre und zog das Trio hoch. Denn das Trio blieb schon nach den ersten Metern am Mini-Berg hängen und ich zog mühelos vorbei! Mit diesem Erfolg trug mich mein Rennrad flott vom Wendepunkt zurück bis zum Ende der Radstrecke.  Ein letztes Mal Vollgas, raus aus den Schuhen, bremsen und vor der Linie absteigen. Dabei überwältigten mich erneut die zujubelnden Zuschauer, die man überhaupt nicht kennt, die aber mitfiebern und einen anfeuern, als wären es beste Freunde. Unglaublich!!!

Stephie auf den abschließenden 10km – mit Lächeln im Gesicht.

Mit dem Rennrad an meiner Seite sprintete ich durch die gesamte Wechselzone zu meinem Block und überholte dabei wieder mehrere Teilnehmer. Ein kurzer Blick auf die Uhr verriet mir meine super Radzeit von 1h9min. Schnell den Helm ab, Schuhe an und los auf die Laufstrecke. Puh – und dann fühlte ich meine leeren Beine… die 10km würden laaang werden… Doch aufgrund der vielen anfeuernden und motivierenden Zuschauer war die Strecke letztlich gar nicht so lang. Ich lief zwar langsamer als geplant, dafür aber extrem konstant. Die letzten 2km waren besonders schön und ich zog das Tempo an! Überraschend erblickte ich Katha am Rand, die mich anfeuerte. Cheerleader klatschten ab und ein Moderator sowie viele weitere Zuschauer spornten mich an. Das gab mir so viel Kraft, dass ich auf den letzten 500m noch 8 Athleten überholte.

Besonders emotional waren die letzten 20m Zieleinlauf. Rechts und links die applaudierenden Zuschauer auf den Tribünen. Die Atmosphäre vor dem Rathaus. Der Kommentator. Die Musik. In Millisekunden tauchten all die Erinnerungen an den Radsturz vom letzten Jahr auf. Dass ich die OD in Hamburg in 2017 absolvieren würde, hatte ich gehofft, aber nicht wirklich gedacht. Dass ich es doch geschafft hatte, war atemberaubend und die Atmosphäre so beeindruckend, dass mir Freudentränen in den Augen standen… Nach 2h40min stand ich völlig geflasht, überglücklich, zufrieden mit meiner Zeit und sogar überraschend fit im Ziel!

Mein Resümee: Hamburg besticht durch Atmosphäre und Zuschauer – einfach unschlagbar geil!!!

P.S. By the way… Nach dem Wettkampf stellte sich heraus, dass ich mich tatsächlich vertan hatte. „Block T“ für die Startzeit 10:10 war richtig, allerdings für die Sprintdistanz am Samstag! Sonntag wäre „Block W“ richtig gewesen, genau gegenüber von „T“ – einen Vor- oder Nachteil hatte ich dadurch aber nicht 😉

Wahnsinnige Atmosphäre und Freudentränen in Hamburg