70.3 WM - Marcel ist dabei.
70.3 WM – Marcel ist dabei.

Neben dem Kampf um Top-Platzierungen in Landes- und Regionalliga, waren unsere Mitglieder in der Saison 2016 auch wieder Wochenende um Wochenende auf der Jagd nach persönlichen Bestleistungen, der Gänsehaut beim Überqueren der Ziellinie oder dem wunderbaren Gefühl, den ersten Triathlon überhaupt geschafft zu haben. Einer machte sich auf eine besondere Premiere auf: Den ersten Wettkampf auf dem roten Kontinent zu bestreiten. Wer in Erdkunde nicht aufgepasst hat, erfährt im Bericht von Marcel, um welches Land es sich handelt. Und natürlich wie sie war – die 70.3 Weltmeisterschaft.

Im Laufe der Saison und vielen Starts für das beste Team der Welt, war das Tasche Packen zur Routine geworden: Schwimmbrille – check! Radschuhe, Helm – check! Laufschuhe…ach ja und das gute alte Babypuder nicht vergessen. Wo ging‘s hin? Im Zweifelsfall irgendwo die A2/A7 hoch oder runter. Am letzten August-Wochenende habe ich dann zwar auch wieder die ganz normale Triathlon-Tasche gepackt – und gleichzeitig sollte es eine ganz besondere Reise werden. Darum wurden neben dem üblichen Triathlonkram auch der Indianer-Jones-Outbackhut, ein Krokodilfänger und das Didgeridoo-Gesangsbuch hektisch verstaut. Der gute alte Stau auf der A2 sollte dieses Mal auch kein Thema sein…eher die Jetstreams über der südlichen Hemisphäre. (Danke Schieri, für die prägende Einleitung) Es ging zur 70.3 IRONMAN Weltmeisterschaft an die Sunshine Coast … Australien! Das schon vorweg: Es war eine beeindruckende Reise – auch oder gerade abseits des Sports!

Wenige Minuten vor dem Start: Tiefenentspannung oder die Ruhe vor dem Sturm?
Wenige Minuten vor dem Start: Tiefenentspannung oder die Ruhe vor dem Sturm?

Mit dem Sonnenaufgang um 6:35Uhr fiel der Startschuss für meine M35 Altersklasse. Das Meer war deutlich ruhiger als die Tage zuvor und das sollte schnelle Zeiten verheißen. So kam es dann auch für mich: Meine persönliche Vorgabe lag bei 32min., die ich mit 30:50min. dann auch schon unterbot. Sollte das ein guter Tag für mich werden?

Die Wechselzone musste Platz für 3000 Athleten hergeben und dementsprechend war sie auch lang. Mit über 5 Minuten Wechselzeit konnte man dem Wechsel schon eine eigene Disziplin zusprechen.

Der Radkurs wurde extra für die WM aufgehübscht – um 600 Höhenmeter und diese ausschließlich auf den letzten 30km. Bei der Wettkampfbesprechung viel so tatsächlich die Frage „gibt es genug Platz, falls man schieben muss?“, gefolgt von gewissem Gelächter und auch ich fragte mich „bei einer WM schieben? Ernsthaft?“. Okay, der angesprochene Berg hatte nur eine Länge von 400m, aber ich glaube, entgegen meiner ungläubigen Gedanken im Vorfeld: Nicht jeder Athlet hat ihn auf seinem Rad sitzend überquert. Für mich kann ich sagen: Meine Kassette war in jedem Fall am Ende. Die Strecke war ein Mix aus Rennstrecke auf einem Highway und den angesprochenen Höhenmetern. Trotzdem waren es die bekannten 90km und von mir nach 2:19h/min. bestritten. Später sollte sich herausstellen, dass ich mit dieser Zeit um etwa 4 Minuten schneller war, als der Weltmeister in meiner Altersklasse.

Überglücklich ins Ziel...
Überglücklich ins Ziel…

Runter vom Rad und wieder durfte die lange, aber wunderschön am Meer gelegene Wechselzone durchlaufen werden. Nach 3,5Min. ging es auf die mit Zuschauern gesäumte Laufstrecke. Gleich bei Kilometer 1 musste man den insgesamt vier Mal zu bewältigenden Anstieg hoch. Trotzdem bin ich Kilometer 1 bis 4 im ca. 4:05min/km Tempo angelaufen und musste spüren: Das ist für eine WM einfach zu langsam. Als aus dem Spaß dann auch langsam harte Arbeit wurde und die 21km sich als ziemlich zäh entwickelten, hieß es, die Moral zu bewahren und einfach mal hart zu sich selbst zu sein. Es war die Weltmeisterschaft in Australien, bei bestem Wetter, Tausenden von Zuschauern und immer das Meer im Blick! Wie könnte man da hadern?

Nach einem Halbmarathon in 1:32h/min. und einer Gesamtzeit von 4:32:19h/min., Platz 73 von 300 Athleten in der AK und Platz 382 gesamt von 3000 Verrückten am Start, ging der erste Abschnitt auf dem roten Kontinent für mich zu Ende. Überglücklich und mit viel Gänsehaut fand der Tag bei gutem Essen und Wein, Sonnenuntergang und Meeresrauschen sowie reichlich Gesprächsstoff seinen Ausklang.

Die nächsten 3 Wochen hieß es dann: Wir geh’n mit Sand in den Schuhen (oder besser: den Flip Flops), Salz auf der Haut und Wind in den Haaren….in den Camper – an zahlreiche weiße Strände und in wilde Regenwälder.

Hang loose!

On the road - mit "unserem" Camper die australische Küste entlang.
…und ab auf die Straße – mit „unserem“ Camper die australische Küste entlang.
Triathlon in Down Under oder: Life is good at the Beach!