Am Maschsee in Hannover ging es für Phillip und Stephie um den Abschluss der Triathlonsaison 2016…die Ausgangspositionen hätten unterschiedlicher nicht seien können, während Phillip bereits in zahlreichen Landesligawettkämpfen seine Form beweisen konnte, musste Stephie mit gebrochenem Arm lange warten bis sie wieder an den Start durfte. Wie beide ihren Wettkampf erlebten lest ihr in Stephies Bericht aus Hannover!

Alles bereit zum Saisonabschluss am Maschsee
Alles bereit zum Saisonabschluss am Maschsee

11 Wochen ist es her, dass ich beim Rennrad fahren gestürzt bin und mir den Arm gebrochen und ausgekugelt habe. Das Ergebnis waren 4,5 Wochen Gips, 2 Monate Trainingspause, 3-4 Monate Physiotherapie und ein steifer Arm. Das Schlimmste war aber, dass jeden einzelnen Tag ein bisschen mehr in meinem Kopf die Angst wuchs, sich wieder aufs Rennrad zu wagen. Doch mein Ziel, diese Saison noch wenigstens einen letzten Triathlon zu bestreiten und mich meiner Angst zu stellen, habe ich nicht aus den Augen verloren und bereits ab dem Unfall die Tage rückwärts gezählt.

 

Am 03.09. um 9 Uhr war es dann so weit. Mit 4 Lauf- und Schwimm-Einheiten und 30Minuten Rennradtraining in den vergangenen 2,5 Monaten hab ich mich auf den Weg zum Maschsee nach Hannover gemacht. Und es hat einfach alles gepasst! Mittlerweile war die Beweglichkeit im Arm zu 80% zurück, so dass ich mit etwas Schmerzen, aber immerhin sicher, den Rennrad-Lenker halten konnte. Das Wetter war fantastisch – kaum Wind, 23°C Wassertemperatur, sonnig warm und trocken. Meine Laune war ultra-gut und spätestens, als ich mein Rennrad in Richtung Wechselzone rollte, wandelte sich langsam die Angst um in Aufregung und Euphorie. Als ich dann noch meine Eltern, Claudi und weitere Freunde an der Strecke erblickte, die mir zuriefen und mich anfeuerten, waren die bösen Geister vollständig aus meinem Kopf vertrieben.

Beim Schwimmen geriet ich in einen Pulk Kerle, denen ich am liebsten unter Wasser „Finger weg von meinem gebrochenen Arm“ zugerufen hätte. Mit ein wenig Umweg konnte ich mich frei-schwimmen. Nadelöhr waren die 2 Bojen, bis es nach 500m zum Schwimmausstieg ging. Ganz nach der Landesliga-Devise „TTB-first“ setzte ich mich an der Treppe halb fallend halb laufend gegen 3 Mitstreiter durch. Auf der Radstrecke forderten die 15 Kurven und die 3x400m Kopfsteinpflaster meine volle Aufmerksamkeit. Und Durchhaltevermögen: Denn mein Arm mochte die schlechte Fahrbahn und die Erschütterungen nicht all zu sehr. Als ich nach 20km abstieg, war mein erstes Tagesziel bereits erfüllt: Ohne Sturz die Radstrecke meistern.

Stephie und ihr Fan-Club
Stephie und ihr Fan-Club

Zu guter Letzt folgte die 5km lange Laufstrecke entlang des Maschsees, bevor es auf die Zielgerade am Nordufer ging. Bereits aus weiter Ferne erkannte ich die Zeit… Ich war völlig baff: Sie besagte, dass ich trotz so langer Pause und wenig Sport die Sprintdistanz unter 1:20 schaffen würde! Im Endspurt und überglücklich klatschte ich meine Anfeuerer an der Zielgeraden ab und überquerte die Ziellinie – als 18. Frau von insgesamt 182 Starterinnen und sogar als 4. meiner AK.

Nach einer kurzen Stärkung zum Mittagessen ging es zurück an die Strecke, um die 2. Bundesliga Herren und Damen anzuschauen, sowie die Starter der olympischen Distanz anzufeuern. Bei der OD hielt Phillip Weissbeck für den TTB die Fahne hoch. Die TTB-Hannoveraner Elsi und Matze mischten sich unter die Zuschauer zum Anfeuern. Einen Schreck-Moment gab es, als auf der Radstrecke plötzlich mehrere Dutzend Jugendliche liefen, wie gebannt auf ihre Handys schauten und apathisch wiederholten: „Hier müssen doch Pokémon sein.“ Helfer und Zuschauer konnten die Meute glücklicherweise ohne Rennrad-Unfälle von der Straße lotsen. Für Phillip lief es an seinem letzten Triathlon des Jahres weiterhin sehr gut. Lediglich beim Schwimmen konnte er die 25min von Stuhr nicht bestätigen. Auf der Radstrecke, die wirklich sehr viel Aufmerksamkeit erfordert, konnte er die zwei Minuten aber wieder aufholen und trotz windiger Passage einige Plätze gutmachen. Mit einer Wechselzeit von jeweils einer Minute ging es dann auf die letzten 10 km. Auch hier hat Phillip nochmal seine gute Saisonform bestätigt und konnte in 39:15 mit etwas Windschatten und Erfahrung eine tolle Saison ins Ziel bringen. Am Ende finishte Phillip mit 2h 14min als 11. von insgesamt 356 Startern. Ein tolles Ergebnis!

Mein Resümee: Der Triathlon-Tag hat einfach irrsinnig Spaß gemacht, ich bin totmüde, aber überglücklich abends ins Bett gefallen! Und das Wichtigste: Der Rennrad-Unfall ist vergessen und mein Kopf frei für die nächste Saison!

Mit dem Hannover Maschsee-Triathlon die bösen Geister vertrieben