So schön kann ein gemeinsamer Zieleinlauf sein.

Mit dem September hält nicht nur jahreszeitlich der Herbst Einzug, auch die Triathlon-Saison geht so langsam zu Ende. Bevor aber die wohlverdienten Ruhewochen gemütlich auf der Couch genossen werden, stehen aber die letzten Wettkämpfe und persönliche Highlights für den einen oder anderen TTBler an. So ging es am 2. September für Stephie (Bericht), Markus und Jan (mit Bart) in eine Stadt, die irgendwo hinter Peine liegt.

Am 2. September fand der Hannover Maschsee Triathlon statt – mein Heimtriathlon, mein Saison-Highlight und zugleich für mich der Saison-Abschluss. Noch im vergangenen Jahr war mein Tagesziel „sturzfrei durchkommen“ und ich hatte tierische Schmerzen auf dem Kopfsteinpflaster. Denn nach einem Radsturz saß mir noch die Angst in den Knochen, ich fühlte jede Vibration und ich hatte den Sommer mit Gips und 10 Wochen Trainingspause verbracht. Dieses Jahr war hingegen mit 3 Sprints und 3 Olympischen Distanzen sturzfrei verlaufen. Und ich fühlte mich perfekt vorbereitet auf mein Saison-Highlight.

Doch schauen wir kurz noch ein paar Tage zurück… Da hat mich ein sehr guter Arbeitskollege auf mein Hobby „Triathlon“ angesprochen und hat die Meinung vertreten, Triathlon wäre ein „Egoisten-Sport“ mit Sportlern, die die Ellenbogen ausfahren und allein kämpfen, da sie im Wettkampf allein schwimmen, allein Radfahren und allein Laufen. Ich habe dagegen gehalten und mit Beispielen unserer Landesliga- und Regionalliga-Mannschaften erklärt, dass auch Triathlon ein „Team-Sport“ sein kann. Auf ganz besondere Weise und völlig überraschend hat sich genau das auch in Hannover bestätigt…

Am Samstag war es dann so weit, um Punkt 6 Uhr klingelte mein Wecker. Am Abend zuvor war ich bereits zu meinen Eltern gefahren, da sie im Umland von Hannover wohnen. Gemeinsam haben wir gefrühstückt, wobei ich vor lauter Aufregung das gesamte Frühstück auf den Kopf gestellt und meine Eltern halb in den Wahnsinn getrieben habe 😉 Um 6:45 Uhr begab ich mich mit dem Auto auf den Weg in Richtung Maschsee-Südufer. Das Auto geparkt, mein Rennrad und die Tasche geschnappt und ab ging es die Startunterlagen abholen. Dann ging‘s direkt in die Wechselzone und das übliche Prozedere begann: Rad mit Trinkflasche und Schuhen ausstatten, Laufschuhe daneben stellen, mit Terraband warmmachen. Und da der Triathlon nicht wie die Jahre zuvor am Nordufer startete, wo ich alle Strecken kannte, sondern in diesem Jahr am Südufer durchgeführt wurde, schaute ich mir ganz genau die Wege vom Schwimmen zu meinem Rad, auf die Radstrecke und von der Radstrecke durch die Wechselzone auf die Laufstrecke an, um später beim Wechsel keine Zeit zu verlieren. Kaum war ich fertig, erblickte ich meine Eltern und freute mich, da sie mich erneut bei meinem Heim-Triathlon anfeuern wollten. Auf dem Weg zum Schwimmstart trafen wir dann auch meine beste Freundin aus Hannover mit ihrer 7-jährigen Tochter, die mich umarmte und vor Aufregung platzte. In dem Moment fragte ich mich, wer wohl aufgeregter war… sie oder ich?

Kurz drauf ging es schon zum Warmschwimmen. Ich stellte schockiert fest, dass in meiner Startgruppe überproportional viele Männer und nur wenig Frauen waren. Das bedeutet im Wasser natürlich einen Nachteil für Frauen. Um 9 Uhr fiel der Startschuss für die Sprintdistanz und wir rannten vom Strand ins Wasser. In einer U-Form ging es um 2 Bojen zurück zum Strand. Gerade an den Bojen war das Gedränge groß. Mehrfach versuchten sich Männer an mir abzustützen. Doch da ich das bereits leidlich in der Landesliga erfahren hatte, wusste ich mir zu helfen und wies sie in die Schranken. Dann ging‘s schon raus aus dem Wasser. Flink überholte ich einige Triathleten auf dem schmalen Weg zur Wechselzone und zog den Neo bis zur Hüfte runter. Plötzlich hörte ich den Moderator, der „das Schwimm-Hauptfeld am Ufer“ ankündigte. Ich war echt verdutzt: Normalerweise gehörte ich selbst zum Schwimm-Hauptfeld, doch scheinbar hatte ich mich trotz der vielen Männer beim Schwimmen etwas vorkämpfen und Meter gut machen können.

Ich schnappte mein Rad und lief los – leider etwas zu forsch, denn ich hatte Brille und Helm vergessen aufzusetzen. Wie ärgerlich, denn das kostete mich wertvolle Zeit. Mit Helm und mit Brille lief ich Sekunden später Richtung Radstrecke. Kaum hatte ich die Linie überquert, schwang ich mich über den Sattel und… erblickte Aenne, wie sie knapp hinter mir auf ihr Rad sprang. Ich freute mich sehr sie zu sehen, denn wir hatten uns vor einem Jahr auf einem Schwimmseminar kennengelernt und seitdem Kontakt gehalten. Ich verdrängte die Gedanken und konzentrierte mich auf die Strecke. Die hatte ich mir vor dem Wettkampf genau eingeprägt und war mental gut vorbereitet. Entgegen dem letzten Jahr war die Streckenführung verändert und enthielt viele enge Kurven, eine Baustelle, Kopfsteinpflaster, Schlaglöcher und Aufpflasterungen. Also anspruchsvoll mit Gefahrenpotential. Bereits die 2. Kurve hatte es in sich, denn direkt hinter der Kurve begann Kopfsteinpflaster, ich verschätzte mich etwas, musste bremsen und hätte beinahe ein Begrenzungs-Hütchen gerammt. Aus dem Augenwinkel sah ich Aenne, wie sie an mir vorbeizog. Als es dann auf die 2,5km-Gerade in Richtung Nordufer ging konzentrierte ich mich auf den runden Tritt, um Geschwindigkeit aufzunehmen. Ich zog an einigen Mitstreitern vorbei und machte Plätze wett, bevor es um das Rathaus und den Schützenplatz in 15 enge Kurven gehen würde. Auf der 20km langen Radstrecke begegnete ich Aenne überraschenderweise immer wieder, denn wir zogen gegenseitig  mehrere Male am anderen vorbei und kämpften uns jedes Mal wieder an den anderen heran. Auf den letzten 2km brannten meine Beine und Aenne überholte mich ein letztes Mal. Nach dem Wettkampf stand fest, dass ich mit nur 9 Sekunden Rückstand zu ihrer Radzeit die zweitbeste Radzeit der Frauen erzielt hatte.

Wir liefen mit etwas Abstand in die Wechselzone. Aenne hatte 8 Sekunden Vorsprung. Beim Wechsel gab ich Gas und machte 1 Sekunde wett.Dann ging‘s schon auf die Laufstrecke. Das allererste Mal ohne Laufuhr, da ich dem Tipp meiner Vereinskollegin Swantje gefolgt war, um mich beim Laufen auf mein Gefühl zu verlassen und mich nicht von Pace- und Puls-Angabe der Uhr unter Druck zu setzen. Unglücklicherweise hatte ich überhaupt kein Zeitgefühl, da mir auf der Radstrecke der Tacho am Rennrad wegen des schlechten Straßenbelags abgefallen war. Ich schob die Gedanken an die Uhrzeit weg und konzentrierte mich. Ich sah Aenne vor mir und fragte mich, ob wir dieses Überhol-Spiel auf der Laufstrecke wohl fortsetzen würden. 2 Meter vor Aenne lief eine weitere Triathletin. Beide zogen mich wie eine Möhre und so schloss ich nach einigen 100 Metern zu Aenne auf. Spontan stupste ich sie an, lächelte und gratulierte ihr zur guten Radperformance. Es mag skurril klingen, aber wir fingen uns tatsächlich an auf der Laufstrecke zu unterhalten. Kurze, knackige Sätze mit viiiel Pause zum Luftholen und Gas geben. Das schien die Mitstreiterin vor uns mental total aus dem Takt gebracht zu haben, denn sie brach ein und fiel schnell hinter uns zurück. Diese Zweisamkeit auf der Laufstrecke schien uns beide zu beflügeln, denn wir rannten mit einem 4:30er Schnitt und es fühlte sich für einen Wettkampf schon fast zu leicht an. Ca. 1km vor dem Ziel passierten wir die Cheerleader und der Moderator an der Seite rief uns zu und ins Mikrofon hinein: „Wie spannend! Die 3. und 4. Frau laufen gleichauf. Da zeichnet sich ein harter Kampf um Platz 3 ab!“ Ich erstarrte für eine 10tel Sekunde. Platz 3?!?!? Ich hatte niemals gedacht, dass ich so schnell und so weit vorn unterwegs war. Die letzten 3 Wettkämpfe – alle Olympische Distanzen und eine davon im Allgäu mit vielen Bergen – waren scheinbar die optimale Vorbereitung für Hannover gewesen. In der nächsten Sekunde traf ich eine Entscheidung und schaute zu Aenne, mit der ich gefühlt den halben Wettkampf Seite an Seite verbracht hatte: „Aenne, ich will mich nicht auf den letzten Metern mit dir battlen. Es fühlt sich ‘richtiger‘ an, gemeinsam auf dem Podium zu stehen.“ Fest entschlossen zogen wir gemeinsam nochmal das Tempo an, bogen auf die Zielgerade ab und überquerten Hand in Hand nach 1h11min40s die Ziellinie. Im Ziel fielen wir uns überglücklich in die Arme. Wir waren tatsächlich gemeinsam 3. der Sprintdistanz geworden!

Meine Eltern, meine beste Freundin und ihre Tochter waren völlig überrascht und aus dem Häuschen. Keiner hatte mit einem 3. Platz gerechnet und dann noch so ein wunderschöner doppelter. Auch der Moderator und die Zuschauer waren völlig erstaunt und schauten uns beeindruckt an. Aenne und ich holten zudem gemeinsam den 1. Platz unserer Altersklasse. Triathlon geht eben auch ohne Ellenbogen und dafür mit doppeltem Glücksgefühl. 🙂

Am Nachmittag waren dann meine Vereinskollegen Markus und Jan mit Bart bei der Olympischen Distanz dran. 14:15 Uhr fiel der Startschuss. Jan konnte sich super als 24. beim Schwimmen durchsetzen und auch Markus war auf dem Weg zur Wechselzone nach einem Blick auf die Uhr sichtlich zufrieden mit seiner persönlichen Schwimmzeit. Die Radstrecke mit ihren vielen Kurven, Schlaglöchern, Kopfsteinpflaster und unebenem Belag beeindruckten Markus nicht und er legte mit nur 1h5min eine super Radzeit hin. Dann ging‘s auf die Laufstrecke. Da merkte dann auch Markus, dass ihm die herausfordernde Radstrecke in den Knochen steckte. Er kämpfte gegen das Laktat in den Beinen an, konnte trotzdem noch 5 Pätze gutmachen und kam zufrieden als 14. Mann ins Ziel. Jan war unterdessen auf der 2. Runde der Laufstrecke. Auch er konnte beim Laufen noch 6 Plätze gutmachen und lief kurz drauf als 34. über die Ziellinie.

Ergebnisse in Zahlen

Markus Bartsch (Olympische Distanz): 14. Platz von 401 Männern, 3. Platz (AK) von 58 Männern

Disziplin
Zeit
Schwimmen
00:27:34   (95.)
Transition 1
00:01:24
Rad
01:05:25   (22.)
Transition 2
00:00:58
Laufen
00:37:33   (7.)
Gesamt
02:12:52   (14.)
 
Jan Wetzel (Olympische Distanz): 34. Platz von 401 Männern, 6. Platz (AK) von 54 Männern
 
Disziplin
Zeit
Schwimmen
00:24:29   (24.)
Transition 1
00:01:34
Rad
01:11:03   (127.)
Transition 2
00:01:14
Laufen
00:41:19   (31.)
Gesamt
02:19:37   (34.)
 
Stephie Ondrusch (Sprint Distanz): 3. Platz von 212 Frauen, 1. Platz (AK) von 28 Frauen
 
Disziplin
Zeit
Schwimmen
00:11:37   (17.)
Transition 1
00:01:29
Rad
00:35:29   (2.)
Transition 2
00:01:02
Laufen
00:22:05   (4.)
Gesamt
01:11:40   (3.)
Glück ist das einzige, das sich verdoppelt, wenn man es teilt: 3. Platz und 4 Mädels auf dem Podium