Volle TTB-Power in Stuhr.

Beim Ligastart in  Stuhr waren alle drei TTB-Mannschaften vertreten. Wie es ist, ein ganzes Wochenende und den Wettkampf selbst mit 16 Teammitgliedern zu absolvieren, lest ihr im Bericht von Schieri.

Es ist Spätsommer in Deutschland. Die Zyniker wissen: Das bedeutet wechselnde Bewölkung mit eingelagerten Regenschauern und „Wonne“-Temperaturen um die 15°C. Kein Wetter für eine ausgiebige Trainingseinheit, kein Wetter für Wettkämpfe – Die Saison neigt sich ohnehin dem Ende zu. Stattdessen steht eine intensive Einheit Orga-Arbeit auf dem Plan. Die Tee-Tasse ist gefüllt und es gilt Vereinsmails zu beantworten und eine Sponsorenmappe zu schreiben. Gedankenverloren sortiere ich Fotos und Statistiken, als sich unser Pressewart Marcel mit einem neuen Auftrag meldet: Es fehlt noch ein Bericht zum Liga-Wettkampf in Stuhr! Also reingehauen in die Tasten!

Der Liga-Wettkampf in Stuhr hatte dieses Jahr besonderes Flair: Die Regionalliga und Landesliga starteten bei der gleichen Veranstaltung. Damit konnten alle drei TTB-Mannschaften (Regionalliga-Herren, Landesliga-Damen und Landesliga-Herren) das erste Mal zusammen zu einem Wettkampf fahren. 16 Athleten!!! Eben hatte ich noch die Statistiken auf dem Tisch: 2010 mussten wir bei vier Wettkämpfen mit vier Athleten starten, weil wir nicht genug Starter hatten. Wer noch nie einen Liga-Wettkampf beobachtet oder mitgemacht hat, wird jetzt sagen: „Na und, Triathlon ist doch eh Einzelsportart. Was macht es da aus, ob man zu viert oder mit 16 Leuten startet?“ Und ganz objektiv betrachtet scheint es so, als würde es keinen Unterschied machen, ob man alleine oder mit 16 Teamkollegen die 1,5km Schwimmen, 40km Radfahren und 10km Laufen in Angriff nimmt. Windschatten und gegenseitige Unterstützung ist eh verboten. Mehr als ein paar aufmunternde Zurufe sind also nicht drin.

Tatsächlich sind solche Wettkämpfe aber das Salz in der Suppe und man freut sich wie ein Schulkind auf eine Klassenfahrt, wenn die Busse mit allen Rädern und Neoprenanzügen beladen sind und es endlich auf die Autobahn gen Norden geht. Erste Herausforderung: Das große Kreuzworträtselheft. Sieben Worte waagerecht „umangssprachlich schießen“ – Keine Frage: „BALLERN“ (fest im TTB-Sprachgebrauch als Synonym für „an seine Grenzen gehen“ verankert ;-)). Die anderen Worte sind komplexer…also trägt Puschi „Black Stories“ vor. Ein um der andere Mordfall werden konsequent gelöst…während wir eher peripher die Abfahrt nach Bremen wahrnehmen und dann feststellen: „Hier hätten wir abbiegen müssen“. Macht auch nichts…Jugendherberge, Discounter und Pizzeria bekommen noch eine kurze Galgenfrist, bevor der TTB in dreifacher Mannschaftsstärke einfällt und alle drei Läden auf den Kopf stellt. Als die Sonne langsam hinter der Weser versinkt, sitzen wir an der berühmten Bremer „Schlachte“ und erzählen Anekdoten von „früher“…Wisst ihr noch als Matze in Stuhr so aufgeregt war, dass er sich als „Matze Matze“ in die Startliste eingetragen hat? Klar, weiß jeder. Und jeder weiß auch: Morgen werden wir alle mindestens genauso aufgeregt sein. Also, ab ins Bett.

Wettkampftag! Die TTB-Karawane aus sechzehn Carbon-Rädern, Zeitfahrhelmen, superleichten Laufschuhen, Hightech-Neoprenanzügen und aufgeregten Athleten setzt sich zum Start in Bewegung. Adrenalin ist in der Luft, Iso-Pulver in den Flaschen. Gleich geht es los. Die Regionalliga-Jungs starten zuerst, fünf Minuten dahinter kommen die Landesliga-Damen und dann nochmal fünf Minuten später die Landesliga-Männer. Der Startschuss fällt. Es beginnt das übliche Gedränge im Wasser. Zwei Runden sind zu Schwimmen, dann geht es aufs Rad. Der Triathlongott will uns heute prüfen. Wir haben starken Gegen- und Seitenwind – gut für starke Radfahrer, aber auch sehr, sehr anstrengend. Im Kopf bin ich bei meinen Teamkollegen. Henning ist vor mir. Seinen roten Einteiler kann ich am Ende der Landstraße erkennen…jedes Mal, wenn er nach einer Kurve wieder in Sicht kommt, freu ich mich. Der Abstand ist noch nicht größer geworden. Nach dem Wendepunkt sehe ich auch die anderen: Puschi fliegt mit großem Gang, Robin kämpft wieder wie ein Berserker. Nach der nächsten Steigung (die Beine sagen so langsam Danke für die Quälerei) kommen mir die Landesligisten entgegen. Ole und Volker winken mir zu. Den beiden scheint es gut zu gehen…auch Stephie und Biggi sehen super aus auf dem Rad… wenn die locker drauf sind, dann kann ich es auch sein. Laufen geht heute sicher wie von selbst. Also runter vom Rad, rein in die Schuhe und losgesprintet. Puh! „Wie von selbst“ geht das heute aber absolut nicht. Bis zum Wendepunkt muss ich mich ganz gut schleppen – Kopf und Beine schreien nach Pause statt nach acht weiteren Kilometern. Dann kommt der berühmte Druck von hinten: Robin und Puschi haben das Messer zwischen die Zähne genommen und geben beim Laufen ordentlich Gas. Markus biegt um die Ecke – der Wahnsinnige scheint drei Schritte zu machen, während ich einen schaffe. Gedanklich trete ich mir selbst in den Allerwertesten. Wenn die drei so kämpfen, dann kann ich hier nicht rumkriechen. Ich gebe nochmal Gas! Die Landesligisten kommen jetzt auch auf die Laufrunde, es wird voll…aber meine Teamkameraden sind dabei. Katha, Katja und Jana setzen das Frauenfeld ordentlich unter Druck. Das motiviert. Felix kommt mir entgegen. Ein Blick unter alten Trainingskumpels reicht heute aus: Willkommen im Laktat-Land! Wir sind beide über dem Limit. Dann sprinten Jan (mit Bart) und Mario an mir vorbei. Jan brüllt mich an: „Du läufst jetzt mit und lässt nicht locker!“. Ich nicke willig, diese Nachricht meinen Beinen zu vermitteln ist aber gar nicht mal so einfach. Ich nehme ein letztes Mal Fahrt auf. Mario 15m vor mir zu sehen, hilft nochmal über die letzte Grenze zu gehen. Links in den Zielkanal, Henning wartet schon auf mich, keine 50m hinter mir kommen Robin und Puschi ins Ziel gelaufen. Umfallen, Trinken, irgendwie den Kreislauf in den Griff bekommen. Dann klatsche ich mit Jan ohne Bart ab. Moment! Wieso ist der denn schon im Ziel und wieso sieht der so lädiert aus? Ein Sturz mit dem Rad  – Gott sei Dank nur Schürfwunden. So langsam wird der Kopf wieder klar. Die anderen kommen ins Ziel. Es gibt Kuchen, Anekdoten werden erzählt. Unsere Fans an der Strecke – Till, Karla, Thies und Diana – kommen dazu. Es geht hoch her.

Dann hängen die Ergebnisse aus: Die Damen haben sich einen tollen vierten Platz erkämpft. Die Landesliga-Jungs sind auf einem prima 11. Platz gelandet und die Regionalliga Jungs stehen mit einem richtig guten siebten Platz nach wie vor im ersten Drittel der Tabelle. Es war mal wieder ein unglaublich hartes Rennen und ich bin gut bedient, als die Busse beladen und besetzt werden…auf dem Weg nach Hause bin ich in Gedanken versunken und überlege, wie geil es war alle meine Mannschaftskameraden auf der Strecke zu sehen und dass Triathlon eben doch auch eine Teamsportart sein kann, als mich Felix und Puschi mit dem Kreuzworträtzel unterbrechen: Drei Buchstaben senkrecht „Bestes Team der Welt“? – Keine Frage T-T-B!

Ergebnisse Regionalliga Herren:

Name Einzelrang Zeit
Henning Schillingmann 12 02:02:59
Sebastian Schier-Morgenthal 46 02:08:52
Robin Keller 47 02:09:04
Jan Hasenpusch 49 02:09:42
Markus Bartsch 57 02:11:17

Mannschaftswertung: Rang 7

Platzierung in der Regionalliga nach 4 von 5 Wettkämpfen: Rang 5 von 21 Teams

Ergebnisse Landesliga Damen:

Name Einzelrang Zeit
Katharina Ander 2 02:22:47
Katja-Theres Marquardt 18 02:32:08
Jana Neumeister 25 02:38:13
Stephie Ondrusch 31 02:40:57
Birgit Heidenreich 38 02:43:48

Mannschaftswertung: Rang 4

Platzierung in der Landesliga nach 3 von 5 Wettkämpfen: Rang 3 von 11 Teams

Ergebnisse Landesliga Herren:

Name Einzelrang Zeit
Jan Wetzel 30 02:14:45
Mario Haase 35 02:15:54
Felix Fischer 53 02:19:50
Erik Bloß 71 02:23:18
Ole Neumann 78 02:24:33
Volker Schulz 138 02:43:41

Mannschaftswertung: Rang 11

Platzierung in der Landesliga nach 3 von 5 Wettkämpfen: Rang 11 von 23 Teams

Drei Buchstaben senkrecht in Stuhr!